Usability-Tipps - Kapitel "Conversions erzielen-Werkzeuge"

Mouse-Tracking & Co: Problemen auf der Mausspur…

Wer Usability im weitesten Sinne – aus Budgetgründen, oder weil es in irgendeiner Weise in das eigene Tagesgeschäft eingebunden werden soll – selbst testen will oder muss, findet im Web einige Ergänzungen zu den Dingen, die er auch „offline“ selbst durchführen kann.

Neben Aufmerksamkeitsvorhersagen in Form von Bilderanalysen oder simulierten Eye-Tracking-Studien, Fünfskundentests, Masenbefragungen und anderen Dingen, die in Zukunft sicher noch einige eigene Beiträge wert sind, stößt man vor allem auf Lösungen zum Klick- / und Mouse-Tracking, dem Verfolgen der Bewegung und / oder Aktion der Maus auf der eigenen Website. Einige dieser Dienste sind zumindest in einer Basisversion kostenfrei oder sehr preiswert und daher für einen ersten Einstieg besonders geeignet, im Leistungsumfang gibt es aber deutliche Unterschiede, die in gewisser Weise auch den daraus generierbaren Nutzen mitbestimmen.

Wozu selbst Mouse-Tracking nutzen?

Dieser Beitrag stellt einige der Dienste vor, die Sie nicht nur im Bundle mit der Auswertung durch eine professionelle Agentur erhalten, sondern auch in Eigenregie nutzen können. Ob und wenn ja mit welchem Anbieter Sie sich aber „allein“ auf die Spur der Maus machen sollten, hängt aber schlussendlich nicht nur vom jeweiligen Preismodell ab, sondern vor allem davon, was Sie konkret mit dem System zu messen gedenken und wie viel Zeit Sie selbst in die Analyse der gewonnenen Daten investieren können. Ähnlich wie WebAnalytics sind Click- und Mouse-Tracking Werkzeuge, welche nicht „von sich aus nützlich“ sind, sondern nur im Kontext von konkreten Fragen im Rahmen von Tests verschiedener Versionen einer Seite, einzelner Seitenelemente oder im Rahmen der Untersuchung von Trends und Ausreißern einen Wert entwickeln.

Sie können zwar durch die gezielte Beobachtung eines einzelnen Besuchers in einem solchen System auf Ihrer Warenkorbseite auf gravierende Probleme hingewiesen werden… die Regel ist dies aber nicht. Auch hängt der Nutzen davon ab, welche Stellen Ihrer Website Sie auf diese Weise näher betrachten oder ob Sie „nur“ einzelne Besucher, oder auch konsolidierte Daten in Form von so genannten „Heatmaps“ betrachten können, die auf der Auswertung vieler Besucher und deren Mausbewegungen, Scrollverhalten und / oder den erfolgten Klicks basieren. Klick-Tracking ist zudem nicht gleich Mouse-Tracking, sondern nur „verwandt“ und in manchen Systemen wird beides – kombiniert oder einzeln – geboten, andere liefern nur eine bestimmte Variante. Ansichten, die auf mehr als einem Besucher basieren, können weitere Hinweise über die „Aufmerksamkeitsverteilung“ auf Ihrer Website liefern, die mit der Auswertung reiner Web-Analytics-Daten nicht (oder besser: kaum) ermittelbar sind, da der Fokus nun auf dem Verhalten während der Betrachtung einer einzelnen Seite liegt. Systemen gelingt dies mit einer Unschärfe, über deren Höhe sicher für jeden Kandidaten einzeln diskutiert werden kann… dennoch darf vereinfacht auch hier der Grundsatz gelten: Lieber nur einen Teil der Wahrheit sehen, als sich ausschließlich mit der Eigensicht zu befassen. Das soll aber kein Freibrief sein, voreilig Schlüsse aus der Beobachtung weniger Sessions zu ziehen und dann Warenkorbdarstellungen, Produktdetailseiten oder den Bestellabschluss ohne weitere Tests und die erforderliche Rücksicht auf die eigenen Umsätze komplett umzustellen.

Einige Systeme im Überblick

Vorab: Die folgende Übersicht stellt weder einen echten Vergleich aller Funktionen dar (Hinweise zu vielleicht existierenden detaillierten Vergleichstabellen auf Funktionsebene als ergänzende Kommentare sind herzlich willkommen), noch sind darin wohl alle Systeme enthalten, die existieren oder vielleicht morgen schon neu im Web entstehen. Die Auflistung versteht sich also nur als Anregung für den Einstieg, wenn Interesse an diesem Thema besteht bzw. entsteht. Links zu Anbietern sind frei von Affiliatecodes; Kritik wurde im Vorfeld weder abgesprochen noch bezahlt 😉

M-Pathy

Dass diese Liste weder nach Preis noch nach Funktionsumfang sortiert ist, wird sich im Verlauf noch zeigen. Dennoch ist die unter m-pathy.com beheimatete Lösung wohl so etwas wie die „Referenzklasse“ im Bereich des Mouse-Trackings. Der klare Vorteil liegt im hohen Funktionsumfang… was allerdings auch bedeutet, dass eine professionelle Auswertung aller generierbarer Daten – und selbst die Implementierung der möglichen aufwändigeren Testszenarien – nicht nur eine optionale Leistung ist, sondern im vielen Fällen der bessere Weg zur maximalen Ausschöpfung der generierten „Rohdaten“. So kann z. B. auch eine detallierte Auswertung von Formularen erfolgen, die das Verhalten einzelner Benutzer (oder als Durchschnittswert) anhand von Bearbeitungsdauer einzelner Felder, erfolgten Korrekturen etc. recht genau wiederspiegeln kann. Darüber hinaus sind sowohl „Clickmaps“ als auch „Movementmaps“ (also die Mausbewegung) generierbar und es können einzelne der aufgezeichneten Sessions direkt im Browser abgespielt werden, wobei man lange Zeiten der „Untätigkeit“ von Maus und Scrollrad nicht erraten muss, sondern erkennen und übergehen kann.

Nicht alle Funktionen lassen sich im Rahmen eines Testzugangs nutzen und die Demo beantwortet nicht alle denkbaren Fragen, aber dennoch lohnt sich ein Test sicher auch für den kleinen Webmaster – selbst, wenn das System und die damit verbundenen Leistungen vielleicht im Einzelfall das Budget sprengen mögen. Denn da der Fokus bei M-Pathy nicht auf Usern liegt, die das Tool dauerhaft und selbst einsetzen, ist der Nutzungspreis in einem PDF verborgen und auch auf den ersten Blick ganz schön happig: Im besten Fall bezahlt man derzeit knapp 300 Euro netto / Monat, wenn man ausgesuchte Daten einer Domain über ein ganzes Jahr auswerten will. Da der Einsatz aber in der Regel eher „projektweise“ und inkl. Auswertung durch den Anbieter geschieht (damit nicht wie bei der Webanalyse nur Daten gesammelt, aber keine Schlüsse daraus gezogen werden), bietet sich M-Pathy ohnehin wohl nicht als Dauerlösung an, wenn man sich selbst (und allein) mit den Daten befassen muss. Verfügen Sie jedoch über interne Ressourcen, die sich mit WebAnalyse, Usability und / oder der Erprobung von neuen Inhalten oder Varianten befassen, erhalten Sie hier wahrscheinlich derzeit die meisten und wertvollsten Daten.

Crazyegg

Ein Anbieter, der sich ausschließlich mit Klicks befasst, ist crazyegg.com. Die (wenigen) Funktionen sind einfach im Browser zu nutzen und die direkt angebotenen Auswertungen sind im Rahmen der Möglichkeiten des Systems sinnvoll und anschaulich aufbereitet. Wem das nicht genügt,  kann Rohdaten exportieren und Filter nach Keywords, Referer etc. nutzen, um die Daten ansatzweise zu segmentieren.

Natürlich gibt es hier deutlich weniger zu sehen – und ggf. daraus zu lernen – als bei M-Pathy. Auch ein kostenloser Test auf der eigenen Domain wird nicht angeboten, dafür kann man in einer Demo aber alle bestehenden Kern-Funktionen (allerdings nicht das Dashboard oder die RSS- /Mail- oder benutzerdefinierten /Reportingfunktionen) anhand von Beispieldaten betrachten. Da die Preise bereits bei 9,– Dollar für 10 Seiten beginnen und der Account jederzeit monatlich kündbar ist, lohnt sich das Ausprobieren auf jeden Fall; gezahlt wird ausschließlich mit Kreditkarte.

Userfly

Wie so oft: wer den geringsten Umfang anbietet, hat auch die kleinsten Hürden. Bei Userfly (userfly.com) werden nur Einzelsessions aufgenommen und können auch nicht konsolidiert ausgewertet werden. Jede Session kann man einzeln im Browser abspielen und dabei Mausbewegungen und Klicks verfolgen. Es existiert auch keine „Bitmapversion“ mit Linien und Klickpunkten o. Ä. für die jeweilige Sessions, so dass man sich schon alles ansehen will, wenn man etwas herauszufinden hofft. Die Darstellung ist je nach Codierung der Seite nicht immer 100% richtig und somit sind dargestellte Klicks nicht immer exakt auf dem richtigen Link… in der Regel ist das aber nicht tragisch.

Dafür kann in einem kostenlosen Account die Auswertung von 10 Sessions erfolgen, danach geht es ab 10,– Dollar / Monat für 100 Sessions los. Denken Sie aber daran, dass sich die 100 Sessions auch jemand anschauen muss, wenn Sie unbedingt Geld ausgeben wollen. Sinnvoll ist dies also auch hier wieder nur bei Vorhandensein entsprechender Ressourcen und vor allem dem Bedarf der Aufzeichnung von mehr Nutzen / Monat -z. B. weil man mehr als eine Seite untersucht. Die Anzahl der Domains ist zu diesem Zweck auch praktischerweise unlimitiert, so dass auch einzelne Seiten an beliebigen Orten in einen Test aufgenommen werden können. Exportieren kann man die Daten nicht; die Aufnahmen der Benutzer-Sessions wird zudem je nach Account nach 30 bis 90 Tagen gelöscht. Die Anmeldung ist simpel und man kann direkt anschließend ein und denselben Code auf beliebig vielen Seiten unterbringen. Dabei sind 10 Sessions / Monat zwar schnell verbraucht und durch die limitierte Speicherung kann man sich auch keinen Vorrat anlegen…. auf der anderen Seite spricht auch nur wenig dagegen, sich wenigstens testweise einmal ein paar User auf kritischen Seiten anzuschauen und auf Erkenntnisse zu hoffen. Oder zumindest zu beobachten, wie viele Besucher wohl tatsächlich auf der Seite scrollen; ein Formular ausfüllen, aber nicht absenden o. Ä.

Clickdensity

Deutlich umfangreicher ist das Angebot bei clickdensity.com: Heapmaps, Klickmaps, Hovermaps (also auch die Auswertung von nicht klickbaren Elementen) und ein kostenloser Account für eine einzelne Seite bietet vieles, was man bei M-Pathy auch bekommt; zudem ist die Oberfläche nicht ganz unähnlich 😉 Wer über den kostenlosen Account hinaus mehr nutzen will, kann ab knapp 4,– Dollar; gestaffelt nach Klicks, die ausgewertet werden, mehr buchen und die Nutzung ausweiten. Zur Formularmessung oder der Ansicht einzelner Sessions muss dann allerdings auf andere Mittel zurück gegriffen werden. Dafür können über dieses Tool auch A/B-Tests durchgeführt werden, was Clickdensity zu einer ansatzweise brauchbaren Alternative zum Google Website Optimizer für alle macht, die ein ideologisches Problem mit Google haben (wenn hingegen Datenschutz-Policies den Einsatz verbieten, wird auch Clickdensity kaum eine Lösung darstellen).

Vistrac

Irgendwo zwischen Analytics- und „Aktionstracking“ liegt vistrac.com. Denn hier können nicht nur „normale“ Analytics-Mertiken erhoben und ausgewertet werden, sondern z. B. auch das Klick- und Scrollverhalten von Usern – praktischerweise eben auch im Fall des Scrollens in konsolidierter Form über mehrere Besuche. Wer nur 10 Seiten tracken will und mit 500 Besuchern auskommt, bezahlt auch hier nichts im kleinsten Account. Ebenso kann man hier auch (wie bei m-pathy) „Formulare durchmessen“, was dieses Tool prinzipiell für jeden Shop (und jedes Kontaktformular) interessant macht.

Weitere Vertreter dieser Zunft von „Hybridlösungen“ zwischen WebAnalytics und Klick- und oder Mousetracking finden sich z. B. unter clixpy.com und ebenso bei clicktale.com, wo Analytics und „Interaktionsverhalten“ im weitesten Sinne in die Messungen und Auswertungen eingehen.

Serversysteme

Wer Daten auf dem eigenen Server sammeln will oder muss, kann sich nach Alternativen umschauen, die ohne Fremdanbieterbeteiligung auskommen. Auch in diesem Bereich gibt es Systeme, die nicht zwingend vom Anbieter installiert werden müssen und für hohe einmalige oder laufende Kosten sorgen… aber auch solche existieren selbstverständlich und haben Ihren Markt eher bei größeren Sites. Zu den Alternativen gehören Projekte wie z. B. SMT oder ClickHeat. Die Hürde für einen schnellen Einstieg und einen Test aus reinem Interesse liegt allerdings naturgemäß weitaus höher als bei einem Webdienst, der meistens über die simple Implementierung eines Tags in die betreffenden Seiten genutzt werden kann.

Datenschutz egal?

Nicht nur bei der Auswahl des Anbieters sollte man selbst in die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Dienstes schauen, sondern sich im Fall eines Einbaus in die eigene Webseite – und sei es nur zu Testzwecken – vor allem selbst um dieses Thema kümmern und dem Besucher der betroffenen Seiten mitteilen, dass ein Trackingwerkzeug eingesetzt wird. Da man dies für sein Web-Analytics-System ohnehin i. d. R. im Rahmen einer überall verlinkten Datenschutzbestimmung erledigt, sollten Sie also zumindest dort eine entsprechende Ergänzung unterbringen und vorzugsweise auch das oder die eingesetzten Systeme benennen, damit sich der interessierte oder besorgte Benutzer selbst weiter informieren kann.

Denn eine explizite Einwilligung des Besuchers in die Erfassung durch solche Systeme wird zumindest derzeit von keinem der Anbieter unterstützt, so dass Sie dies entweder selbst technisch im Rahmen Ihrer Website lösen oder zumindest eben fairerweise ansprechen sollten.

Einfach loslegen?

Es gibt also eigentlich kaum Argumente gegen die Einbindung solcher Tools, weil für fast jedes Zeit- und Kostenbudget eine passende Lösung zu finden ist. Das Hauptargument neben dem Datenschutz ist zugleich ein Aspekt, der gern vergessen wird: Performance. Genau wie bei der Auswahl eines ASP-Anbieters für das „normale“ Tracking Ihrer Besucher zur WebAnalyse ist auch bei der Wahl eines solchen weiterführenden Systems zu bedenken, dass das jeweilige Tracking-Script aktiv mit dem Server des Anbieters kommuniziert und damit Lade- und Antwortzeiten beeinflusst. Es kann ganz sicher mehr als nur ärgerlich sein, wenn Sie durch den Ausfall eines Servers bei einem vermeidlich „kostenlosen“ Anbieter zeitweise erhebliche Verzögerungen in den Bestellabschluss-Prozess einbauen, nur um vielleicht einige Besucher aufzuzeichnen und später einmal anzusehen… oder vielleicht auch nicht. Leichtfertig können Sie solche Tests also nur bei eher „unspannenden“ Seiten machen, die nichts mit dem Umsatz zu tun haben, der über Ihre Website generiert wird. Alles andere erfordert  – wie so oft  – ein bewusstes Abwägen zwischen Kosten (aller Art) und Nutzen…