Usability-Tipps - Kapitel "Barrierefreiheit"

Besonderheiten für Barrierefreiheit

Dieser Beitrag dient eigentlich nur einem Zweck: Auf einige bereits an mehreren Stellen angesprochenen Aspekte der Benutzerfreundlichkeit hinweisen, die im Hinblick auf „Barrierearmut“ einer Website ganz besondere Aufmerksamkeit benötigen. Denn neben der Wahrheit, dass „allgemeine“ Usabilityverbesserungen natürlich auch den Besuchern mit Behinderungen entgegenkommen, existieren einige Dinge, die der „nichteingeschränkte“ Besucher eher verschmerzen kann als ein User, der z. B. nur hören, aber nichts sehen kann.

Navigierbarkeit

Im Zusammenhang mit der Navigation wird ausschließlich von „herkömmlichen Links“ ausgegangen. Es gibt aber auch noch einige andere Möglichkeiten, um eine Webseite (im Browser) navigierbar zu gestalten. Navigationen, die ausschließlich auf JavaScript, Flash oder anderen Technologien basieren und keine „gewöhnlichen“ Links anbieten, sind aber durchaus gebräuchlich. Wenn Sie eine solche Navigation einsetzen, sollten Sie sich aber im Klaren darüber sein, dass diese Links nicht von Benutzern von Lesegeräten, deaktivierten Scriptfunktionen oder einiger mobiler Browser verwendet werden können. Ist das benutzerfreundlich? In diesem Fall sicherlich nicht, also sollten Sie es entweder generell ändern oder eine Alternativnavigation schaffen, die auch für diese Anwender nutzbar ist. Und verlinken Sie diese möglichst dann direkt in der Skiplinknavigation.

AJAX, JavaScript und andere zweischneidige Schwerter

Kaum ein Webangebot hat nicht zumindest einzelne Teile, in denen Seiten existieren, die einzelne Informationen oder komplette Folgeinhalte per AJAX oder anderen Mitteln „nachladen“. Das kann auch nicht verboten sein oder grundsätzlich etwas Schlechtes bedeuten, aber fragen Sie ruhig mal nach, ob es auch für Benutzer (oder das Lesegerät) ohne JavaScript die alternative Möglichkeit gibt, an die jeweiligen Informationen per Klick auf einen Link zu erreichen, der bei anderen Benutzern im Browser automatisch nachgeladen wird.

Darstellung und Kontrast

Auch auf die Wirkung von Kontrasten, Unterschieden in Farbton und Sättigung; Helligkeit etc. wurde an anderer Stelle Bezug genommen. Im Hinblick auf Benutzer mit Sehschwächen sind aber viele Kombinationen „unglücklich bis unsichtbar“, die von Betrachtern mit normaler Sehkraft vollkommen problemlos erkannt werden können und daher im Web oft verwendet werden. Speziell bei monochromen oder variantenarmen Designs sind einzelne Bereiche einer Seite oder gar die komplette Navigation oder der Hauptinhalt sehr schlecht für Anwender mit speziellen Sehschwächen zu erkennen. Hier kann ein entsprechender Validator zumindest ersten Aufschluss über den Umfang des Problems geben.

Simulation ist besser als gar nichts

Simulieren Sie mit geeigneten Mitteln selbst einmal das Erlebnis Ihrer eigenen Website mit anderen Augen. Dazu dient z. B. das Tool „Fangs“, das Sie als kostenloses AddOn für Firefox installieren und damit einen Eindruck Ihrer Website erhalten, der ansatzweise dem entspricht, was ein Screenreader wahrnimmt. Noch einfacher ist es aber, Sehschwächen statt Blindheit als Anhaltspunkt zu nehmen: Können Sie Ihre Website als Brillenträger ohne Brille bzw. mit einer geliehenen Brille, die Ihren Blick verschlechtert noch bedienen? Schlechte Beleuchtung nebst Sonnenbrille, leicht zugekniffene Augen, vorher Zwiebeln schneiden… lassen Sie sich was einfallen :)

Multimedia-Inhalte

Nochmal: Multimedia ist weder verboten noch schlecht, wenn es um Barrierefreiheit geht. Ganz im Gegenteil kann ein Audiostream in einem Blog, ein Flashvideo als Produktpräsentation oder Ausschnitte aus einem Film direkt bei der Rezension sogar das Informationsangebot zugänglicher machen als ohne diese Inhalte. Allen Beispielen gemein ist aber die Tatsache, dass es sich (hoffentlich) um ein Angebot handelt, das bestehende Inhalte ergänzt und nicht ersetzt. Fragen Sie sich also bei jedem Beitrag oder Informationsblock, der von Multimediainhalten begleitet wird, ob der Sinn auch dann noch erfasst werden kann, wenn das Video nicht abgespielt, die mp3-Datei nicht gehört oder das Bild bzw. die Animation nicht betrachtet werden können.